Dirk Schäfauer, oder auch „Das Projekt Dirk”, hat eine bewegte Vergangenheit. Mit 10 Jahren davon schon an unserer Seite, mangelt es nicht an guten Geschichten. Manches davon sogar zu brisant für diese Zeilen. Wie hieß es so schön in der Karte, die er (unter anderem) zu seinem Jubiläum bekommen hat: „Niemand schafft den Spagat zwischen schwedischen Gardinen und Sitecore MVP so gut wie du.” Lassen wir das einfach so stehen – vielleicht erzählt er euch ja privat etwas mehr. 😉

In seinem Jubiläumsinterview machen wir eine kleine Zeitreise und erfahren, wie Dirk mit dem Programmieren angefangen hat, was das besondere an barrierefreier Entwicklung ist und worüber er sich in 10 Jahren CAMAO am meisten gefreut hat. Viel Spaß!

10 Jahre. Lange Zeit, aber du bist immer noch Feuer und Flamme für den Job. Woran liegt’s?

Sagen wir mal so: Meinen kompletten beruflichen Werdegang über, von der Ausbildung, die ich mit 16 begonnen hatte, bis heute, habe ich mir alles autodidaktisch beigebracht. Angefangen habe ich als Druckvorlagen- und dann Medienvorlagenhersteller, habe also noch das klassische Handwerk gelernt. Während meiner Ausbildung wurden diese komischen, grauen Kästen eingeführt ... Wie hießen die? Ah, Computer!

Für mich war das ein Highlight! Für meine Meister leider nicht, sie waren zwar grandios mit Pinsel und Stift, aber nicht am Computer. So wurde der Azubi zum Lehrer. In meinem Agenturleben damals kamen immer neue Anforderungen und Technologien wie 3D-Animation und -Konstruktion hinzu. Das habe ich mir alles selbst beigebracht und für große Kunden wie Zeiss und Voith gearbeitet. Also nannte ich mich Mediendesigner. Mit der Zeit wollten die Kunden Webseiten haben, und damit wären wir in der modernen Geschichte.

Durch meinen Agentur-Background hatte ich immer schon eine große Affinität zu CSS, das begeistert mich auch heute noch. Als ich bei CAMAO anfing, habe ich noch VB.Net programmiert. Ich habe damals sogar ein eigenes Content-Management-System in VB.Net geschrieben. Bei CAMAO hatte ich mich dann sehr schnell an C# gewöhnt. Schon im zweiten Jahr kam ich mit Sitecore in Berührung und war sofort begeistert. Wie man sieht, bin ich auch bis heute noch mit dieser Begeisterung dabei.

Du bringst dich sehr viel in die Sitecore Community ein, wurdest jetzt auch als MVP ausgezeichnet: Was bedeutet es dir, diese Leidenschaft mit so vielen Leuten zu teilen und auch so positive Rückmeldungen dafür zu bekommen?

Du kannst hier und jetzt meine Frau, die in einer Metzgerei arbeitet, fragen, wie man in Sitecore bspw. einen Newsletter erstellt oder man einen Marketing Automation Plan anlegt ... Sie wird dir vermutlich erklären können, wie das funktioniert. 😀

Ich lebe Sitecore, ich spreche den ganzen Tag über Sitecore und die Community ist für mich wie eine Familie! Allerdings muss ich zugeben, manchmal fühlt es sich noch etwas komisch an, bei den großen MVPs mitzuspielen. All die Menschen zu treffen, die man lange kennt, die an Sitecore selbst oder Module für Sitecore entwickelt haben, das ist schon etwas ganz Besonderes für mich!

Es ist natürlich ein tolles Gefühl, wenn die Leute wertschätzen, was du in die Community einbringst. Auch wenn das beispielsweise nur deutsche Übersetzungen für die Sitecore Powershell Extensions sind, ohne die es SXA nicht geben würde. Und wenn dann der Hauptentwickler anfragt, ob er die Files haben kann, um sie in den nächsten Release zu integrieren, fühlt sich das sehr gut an.

Ein Spezialgebiet von dir ist auch das Thema Accessibility/Barrierefreiheit im Web. Wie kam es zu diesem Schwerpunkt?

Vielleicht mal eine private Anekdote vorweg: Ebenfalls seitdem ich 16 Jahre alt bin, engagiere ich mich in einem Behinderten- und Versehrtensportverein. Wir haben Faustball gespielt und über all die Jahre haben wir es auch zweimal zum Deutschen Meister gebracht! Es gab viele Arten von Behinderungen, geistig motorische Störungen, Down-Syndrom, Polio und natürlich auch Menschen, die ihre Gliedmaßen bei Unfällen verloren haben.

Ein Mann ist mir damals besonders aufgefallen, Hans-Jürgen Minke von der VSG Reutlingen. Ihm fehlt der rechte Arm komplett bis zur Schulter und der linke Arm bis kurz vor den Ellenbogen. Da fragt man sich natürlich, wie so jemand Faustball spielen kann, wo man eigentlich beide Arme dringend benötigen würde! Es geht! Er fährt auch Auto, schreibt mir heute immer noch WhatsApp-Nachrichten und E-Mails und findet sich natürlich auch bestens im Internet zurecht – Entwicklungen hin zu mehr Barrierefreiheit spielen dabei eine große Rolle.

Und jetzt zum beruflichen Teil: Wir haben einige Kunden im öffentlichen Bereich (die Stadt Ulm oder die Mainzer Stadtwerke), die verpflichtet sind, ihre Webseiten barrierefrei zu gestalten. Demnach mussten wir uns zwangsweise mit dem Thema beschäftigen.

Wenn man sich intensiv damit auseinandersetzt, merkt man aber erst, wie spannend dieses Thema eigentlich ist! Man entwickelt eine Komponente, und um sie zu testen, startest du den Screen-Reader, schließt die Augen und schaust mal, ob du durch die Seite navigieren kannst und deine Komponente korrekt funktioniert. Dabei merkst du erstmal, wie schwierig das eigentlich ist und das Bestreben wächst, es Menschen mit Behinderung so einfach wie möglich zu machen.

Mein Part an dieser Stelle ist natürlich: Wie bekomme ich diese ganzen Anforderungen in Sitecore rein? Kein leichtes Unterfangen, aber ich arbeite immer weiter daran.

Was ist dein persönliches Highlight aus 10 Jahren CAMAO?

Das absolute Highlight privat wie auch für CAMAO ist definitiv der Sitecore MVP Titel! Das war eines meiner Lebensziele und allein dafür habe ich 5 Jahre gebraucht. Wir hatten ein paar Hürden zu meistern, aber ich hoffe, ich konnte meinen Teil dazu beitragen, die Sitecore-Entwicklung bei uns voranzutreiben. Auch der MVP Titel war sicher nicht selbstverständlich, aber auch Marcels (Marcel Appolt, CAMAO-Vorstandsmitglied) ständiger Glaube an mich war ein großer Antrieb und hat mir Kraft gegeben, auch unbequeme Wege zu gehen.

Es gibt noch sooo viel mehr Highlights, ich kann die gar nicht alle aufzählen! Für mich ist das persönliche Highlight, dass CAMAO eine Firma ist, die weiß, dass ihre Mitarbeiter:innen etwas sehr Wertvolles sind!

Wie würdest du CAMAO in nur einem Wort beschreiben?

Beschde!