Ein Beitrag von Yorick Pusch.

Wir schreiben den 15. Mai 2033. Das Internet hat sich nie von den Wellen des Populismus, die die Welt seit Jahrzenten durchfluten, erholt. Es ist zu einem Ort des destruktiven Disputs und des blinden Hasses verkommen. Doch ein Ort leistet Widerstand …

Herzlich willkommen auf der re:publica! Dem wohl besten Beweis dafür, dass Zukunftsszenarien wie das obige niemals eintreten werden. Ich muss es wissen, ich war dort. Vom 8. – 10. Mai stand sie dieses Jahr unter dem Motto „Love Out Loud“. Ich will euch helfen, das Phänomen re:publica etwas besser zu verstehen und euch gleichzeitig meinen Eindruck dieses doch recht einzigartigen Events näherzubringen. Denn: übersehen lässt sie sich nicht mehr.

Moment! Was ist die re:publica überhaupt?

„Die re:publica ist eine der weltweit wichtigsten Konferenzen zu den Themen der digitalen Gesellschaft. Hier vermitteln die VertreterInnen der digitalen Gesellschaft Wissen und Handlungskompetenz und diskutieren die Weiterentwicklung der Wissensgesellschaft. Sie vernetzen sich mit einem heterogenen Mix aus AktivistInnen, WissenschaftlerInnen, HackerInnen, UnternehmerInnen, NGOs, JournalistInnen, BloggerInnen, Social Media- und Marketing-ExpertInnen und vielen mehr.“

Soweit, so gut von der Website kopiert. Aber „Love out loud“? Ja, auch der Begriff bedarf einer Erklärung. Nach dem kleinen Prolog ist es vielleicht schon zu erahnen: Es geht um Toleranz im Netz, es geht um digitale Zivilcourage, es geht darum, dem wachsenden Hass im Internet etwas entgegen zu setzen. Dass die Veranstalter mit diesem Gedanken nicht allein sind, bewiesen auf der re:publica 2017 mehr als 1.000 Speaker und über 9.000 Besucher aus aller Welt.

Großes Gewusel – wo soll man nur als erstes hin? Foto: re:publica/Jan Michalko CC BY-SA 2.0

Eine dritte Gruppe gibt es allerdings auch noch: Die Aussteller. Von kleinen Start-ups bis zu ganzen Bundesländern sowie Internetgiganten wie Google war in der Station Berlin, dem Veranstaltungsort, alles vertreten. Es gab zwei(!) Bällebäder, eine Selfiestation mit einem überdimensionierten Donald Trump, einen Makerspace des FabLabBerlin, ganz, ganz viele VR-Brillen zum Ausprobieren, gratis Broschüren, Sticker und und und. Selbst nach drei ganzen Tagen hat man nicht das Gefühl, alles gesehen zu haben.

Brillen auf im (VR-)Labore:tory

Zusätzlich zu der großen Halle mit den vergleichsweise formellen (ich habe den Umgang auf der re:publica im Allgemeinen als ungeheuer herzlich wahrgenommen) Ausstellern gab es auch das „Labore:tory“. Ein Ort, wo Wissenschaft, Kunst und Kultur in einer wunderbaren Symbiose koexistierten. Hier im „Hipster-Teil“ des re:publica-Geländes hatten auch kleinere und abgedrehtere Projekte ihren Platz.

Die Sessions auf den Stages des „Labore:tory“s standen gefühlt zu mindestens 50 % in irgendeinem Bezug zu Virtual Reality. Dabei war es egal, ob es sich um eine Auffrischung der VR-Historie von und mit t3n-Chefredakteur Luca Caracciolo oder eine mitunter bizarre Tour durch die Annalen der VR-Software von und mit c’t-Redakteur Jan-Keno Janssen handelte.

Auch vor den großen Fragen wurde nicht zurückgescheut, so hieß es in Caracciolos Session: „Gibt es überhaupt ein Bedürfnis nach virtueller Realität?“ Auf sehr interessante Art und Weise knüpfte Janssen an genau diese Frage – möglicherweise sogar unwissentlich – an. Denn warum muss virtuelle Realität sich überhaupt mit der Realität beschäftigen, warum muss sie versuchen, diese bis ins kleinste Detail perfekt nachzubauen? Richtig, muss sie gar nicht. Und macht sie auch nicht, jedenfalls nicht immer. Virtuelle Realität könne viel mehr sein, als nur ein digitales Abbild der Realität. Virtual Reality kann Träume wahr machen.

Luca Caracciolo während seiner Session: „A Deep History of VR" – Eine Reise zu den Ursprüngen der virtuellen Realität Foto: re:publica/Jan Zappner CC BY-SA 2.0

Luca Caracciolo während seiner Session: „A Deep History of VR“ – Eine Reise zu den Ursprüngen der virtuellen Realität Foto: re:publica/Jan Zappner CC BY-SA 2.0