Ein Beitrag von Claudia Kübler.

Icons sind wundervoll oder? Tagein, tagaus hantieren wir mit den kleinen Bildchen auf unseren Smartphones, zählen zum Einschlafen keine Schafe, sondern die Icons der Photoshop-Werkzeugleiste. Doch ein Interview mit Oliver Reichenstein, Gründer des Design- und Agenturnetzwerks iA, in der Page titelt jetzt: „So wenig Icons wie möglich – aber nicht weniger“.

In dem Interview werden viele Probleme im Umgang mit Icons aufgezeigt, die sich heute durch weite Teile der digitalen Landschaft ziehen. So leiden die kleinen Bildchen unter dem Makel, dass sie – wenn alleinstehend – keineswegs immer eindeutig sind. Und das müssen gar keine „Nischen-Icons“ sein. Dieses Bild von UserTesting zeigt, dass selbst die populärsten Vertreter für Verwirrung sorgen können:

Uneindeutige Icons

4 Bilder, 11 Bedeutungen. Wie irreführend das gerade für Menschen sein kann, die sich nicht im Digitalen zuhause fühlen, bedarf keiner Erklärung. Warum sind Icons dann trotzdem so beliebt? Ganz „einfach“: Sie wirken emotional ansprechender. Reichenstein drückt es so aus:

„Der Verstand wählt das Wort, das Herz spricht besser auf das Icon an.“

Text drückt Information also klar und präzise aus, während die Bildchen dafür sorgen, dass wir auch klicken wollen. Ein weiterer Punkt ist, dass man sich in abgesteckten UI-Systemen wie iOS oder Android möglichst auf vordefinierte Icon-Sprachen verlassen sollte, um seinen Nutzern die bestmögliche Erfahrung zu bieten. Wenn man sich an eine eigene Icon-Sprache macht, beiße man schnell mehr ab, als man selbst – oder der Nutzer – schlucken kann.

Mir gefällt Reichensteins Ansatz ungemein. Ganz im Sinne des „Design Thinking“ stellt er sowohl die funktionalen als auch die emotionalen Bedürfnisse des Nutzers in den Mittelpunkt und erfasst somit den Kern guter User Experience. Wir Designer und Konzepter jonglieren täglich mit allerlei Gestaltungselementen. Es schadet nicht, wenn diese „Design-Routine“ ab und zu etwas aufgemischt wird, finde ich. Und da fällt mir die Überschrift wieder ein: Bilder (und damit Icons) sagen mehr als tausend Worte. Reichenstein hat gezeigt, dass das Fluch und Segen zugleich sein kann.

Wer das komplette Interview nachlesen möchte, findet es hier: O. Reichenstein im Interview mit der Page

Du möchtest dich noch weiter mit dem Thema Icons & Usability beschäftigen? Uxmyths hat schon 2013 einige Artikel und Studien, die von der zweifelhaften Nützlichkeit der Icons handeln, gesammelt: Myth #13: Icons enhance usability

Eigentlich findest du Icons ganz toll und willst lieber wissen, wie man sie vorteilhaft einsetzen kann? Vielleicht hilft dir dieser Beitrag von Smashing Magazine: Icons as part of a great user experience

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Die Autorin

Claudia Kübler
Claudia Kübler

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