Ein Gastbeitrag von Sophia Schäfer, Praktikantin Account Management, Darmstadt.

Myspace – wie lange ich dieses Wort nicht mehr gehört habe. Dabei war es damals doch die große Neuerung, der digitale Durchbruch, eine Community wie es sie vorher noch nie gab.
Mehr als zehn Jahre ist das nun her – für die Online-Welt eine wahre Ewigkeit. Und genau so viel hat sich seit dieser Zeit geändert; so viel, als wäre seitdem tatsächlich eine Ewigkeit vergangen.

Ich gehöre zu der allseits als „Digital Natives“ bezeichneten Generation und stecke passenderweise auch mittendrin im „Irgendwas mit Medien“-Studium. Also eigentlich beste Voraussetzungen, die Sozialen Netzwerke als ständigen Begleiter und Zeitvertreib aus der Jackentasche immer dabei und im Blick zu haben. Und doch haben irgendwann die Zweifel eingesetzt.

Ah-Ouh!

Ich habe noch genau dieses Geräusch im Ohr, das ertönte, wenn eine neue Nachricht bei ICQ ankam. Dieses „Ah-Ouh“, wenn ein neuer Brief einflatterte. Zu der Zeit, als ich noch mit dem ganzen Rest der Familie aushandeln musste, wer wann das Internet und damit auch die Telefonleitung besetzen durfte.

Doch von da an ging es relativ schnell aufwärts: Mit schnellerem Internet kamen irgendwann die VZ-Netzwerke, mit ihnen mein SchülerVZ-Profil und damit wiederum auch immer mehr Zeit vor dem viereckigen Bildschirm – ganz zum Missfallen der Eltern und Lehrer.

Zu diesem Zeitpunkt ahnte aber noch keiner, dass der größte Schritt noch bevorstand: Facebook. Es ist das einzige Netzwerk aus dieser Zeit, dem ich treu geblieben bin. Irgendwie schafften es Zuckerberg und Kollegen trotz ständiger Daten-Skandale ihre Mitglieder zu halten. Denn genau das ist der Grund, weshalb es meinen Account immer noch gibt: der Netzwerkeffekt.
Nie zuvor war es so einfach alle soziale Gruppen, in denen man sich bewegt, auf einer Plattform zu finden: Von alten Schulfreunden über die Arbeitsgruppen für das Studium bis hin zu aktuellen Arbeitskollegen – man findet nahezu jeden. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass Facebook für die Uni nahezu unverzichtbar ist. Hierbei übernimmt Facebook zugleich die Funktion von Dropbox, der Uni-Website, Nachrichten und des Veranstaltungskalenders. All in one – spart Zeit und Aufwand, ganz nach dem Studentengeschmack.

Nicht mehr nur private Kommunikation

Das Einzige, was ich noch häufiger nutze als Facebook, ist WhatsApp. Erst vor einigen Tagen habe ich gelesen, dass jeder durchschnittlich 23 Mal pro Tag bei WhatsApp online ist. Ich habe mich bisher noch nicht getraut, bei mir mitzuzählen, aus Angst vor der Zahl, die ich am Ende des Tages sehen würde. Mittlerweile ist es auch hier nicht mehr nur private Kommunikation. Viele Unternehmen haben das Potential von WhatsApp entdeckt und machen sich die sogenannten Broadcast-Listen zu nutze: Von Newslettern von Zalando bis Push-Nachrichten von n-tv. Es gibt sogar einige Unternehmen, die sich auf das Management der Kundenkommunikation via WhatsApp spezialisieren.

Man verpasst tatsächlich etwas

Trotz dieser vielen Berührungspunkte mit sozialen Netzwerken enden meine persönlichen Erfahrungen an diesem Punkt. Alles was danach kam, habe ich nicht ausprobiert. Twitter, Google+, YouTube, Pinterest, Foursquare, Tumblr, Flickr, Stayfriends, Instagram, Snapchat – findet sich alles nicht auf meinem Smartphone. Nichtsdestotrotz sind nicht alle diese Begriffe Fremdwörter für mich. Instagram und Snapchat beispielsweise erfreuen sich in meinem Freundeskreis wachsender Begeisterung. Ich wurde mittlerweile auch mehrfach darauf hingewiesen, dass ich über deren Anschaffung nachdenken sollte, wenn ich auf dem Laufenden bleiben will. Und tatsächlich, immer öfter werde ich in Gesprächen mit Freunden gefragt, ob ich denn die Instagram Urlaubs-/Kinder-/Tierfotos nicht gesehen habe und dadurch wird klar: Man verpasst tatsächlich etwas. Ich habe mich tagelang gefragt, woher plötzlich diese ganzen Regenbogen-Selfies kommen, bis mich jemand über die neueste Snapchat-Funktion aufgeklärt hat.

Wie in alten Tamagotchi-Zeiten

Trotz allem habe ich mich dagegen entschieden, denn: Was man nie hatte, vermisst man auch nicht. Die Smartphone-Nutzung erinnert mich bereits jetzt teilweise an alte Tamagotchi-Zeiten – bloß nicht weglegen, sonst stirbt das Küken. Egal ob im Café, im Kino oder sogar beim Essen, irgendwer starrt immer auf das Smartphone. Im schlimmsten Fall sogar alle. Immer von der Befürchtung getrieben, man könnte irgendwo irgendetwas verpassen. Hiervon möchte ich mich selbst gar nicht ausnehmen, aber ich bin der Überzeugung, je mehr Accounts, Netzwerke und Apps man hat, desto mehr Zeit investiert man in Virtualität statt Realität.

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