Ein Beitrag von Marc Roberts.

Viele Unternehmen kommen zu einer Agentur und fragen: „Könnt ihr mir eine Website mit TYPO3, WordPress, Neos oder irgendeinem anderen System bauen?“ Was sie meinen ist allerdings oft: „Ich möchte eine möglichst preiswerte Website, die auch günstig in der Pflege ist.” Und ihr eigentliches Bedürfnis, das hinter alledem steckt, ist wieder ein anderes: „Ich habe Content, den ich mit der Welt teilen will.“

Im Endeffekt ist eine Website ein Werkzeug und sollte einen oder mehrere fest definierte Aufgaben innerhalb der eigenen Content-Strategie erfüllen. Bestenfalls ist man sich dieser Aufgaben bewusst, bevor Geld für die Website ausgegeben wird.

Eine Website beginnt im Kopf, nicht mit einem CMS

Wer von Anfang an weiß, welche Art von Content auf der Seite stehen soll, kann die Website entsprechend planen. So wird nur gebaut – und bezahlt – was auch tatsächlich benötigt wird. Und man kann sich sicher sein, dass die Darstellung des Contents den eigenen Wünschen entspricht. In der Realität wird der Content oft in ein vorgefertigtes Korsett gezwängt, bei dem hinterher die finanzielle Luft fehlt, es noch abzustreifen.

Als Agentur sind wir in Konsequenz natürlich immer auf der Suche nach CMS, die möglichst viel Freiraum bieten. So können wir für die verschiedensten Arten von Content, mit denen Kunden zu uns kommen oder den wir selbst produzieren, eine angemessene Plattform schaffen. Bei der Diversität an Medientypen, wie wir sie heute haben, ist das schon keine banale Aufgabe. Abgesehen von unserer individuellen Suche hat sich auch in der Agentur- und Technologiebranche als Ganzes ein Trend hin zu flexiblen, plattformunabhängigen CMS geformt – den Headless CMS.

Ein klassisches Headless CMS ermöglicht es, den Content zentral zu speichern und auf viele verschiedene Kanäle auszuspielen. In der Theorie ist es dabei egal, ob der Kanal eine Smartwatch oder die klassische Website ist. Das ist ein Schritt vorwärts, der den modernen Anforderungen an Content-Management und -Strategie in vielerlei Hinsicht gerechter wird. Headless CMS speichern viele kleine Content-Elemente, die gemeinsam als Ursuppe im Headless-Backend herumschwappen. Von sich aus können die meisten Headless CMS keine Beziehungen zwischen den einzelnen Content-Elementen herstellen.

Nicht nur Menschen, auch Daten profitieren von Beziehungen

Das Formen und Erkennen von Beziehungen zwischen Daten ist jedoch fundamental für technologischen Fortschritt. Egal ob wir Digitalisierung übergeordnet betrachten oder konkrete Methoden wie Deep Learning. Daten müssen für Maschinen lesbarer und nutzbarer werden, damit wir ihre überlegene Rechenkraft wirksam einsetzen und mit ihnen aus den Daten schließlich Nutzen für den Menschen ziehen können.

Dieser Prozess lässt sich leicht auf Industrie, Produktionsketten etc. anwenden (Stichwort Industrie 4.0), ist aber bei weitem nicht darauf beschränkt. Verbindungen zwischen Daten zu erkennen, auch oder gerade wenn sie oberflächlich sehr weit voneinander entfernt sind, ist unheimlich wertvoll. Unternehmen wissen oder erkennen das – weshalb beispielsweise Enterprise Knowledge Graphs ein zunehmend interessantes Modell zur Strukturierung von Wissen innerhalb von Unternehmen werden. Knowledge Graphs sind ein semantischer Ansatz, bei dem die Bedeutung von Daten direkt innerhalb des Datensatzes mitgeliefert wird.

Schwenken wir zurück zum Thema Content und CMS: Ich glaube, dass das Speichern von Content mit semantischen und vor allem relationalen Informationen vorteilhaft ist. Es kann dabei helfen, die Wirkung des Contents zu multiplizieren, weil man zusätzliche Variablen entdeckt, die mit einem Content in Verbindung stehen. So hat man mehr Hebel, um sein Potenzial auszunutzen. Wie der Zufall es will, arbeiten wir schon sehr lange mit CMS, die eben diese Arbeitsweise ermöglichen: Neos und Sitecore. Eine interessante Betrachtung von Sitecore als semantisches CMS findet ihr hier. Wer nochmal nachlesen möchte, was Neos insgesamt ausmacht, wird in diesem Artikel fündig.

Die Vorzüge eines semantischen CMS wie Neos

Bei Neos spielen Content und seine Beziehungen untereinander die Hauptrolle. Es lässt einen verschiedene Content-Typen definieren und innerhalb dieser Typen auch ganz einfach Content erstellen. Es ist dabei noch völlig egal, wo dieser Content benutzt wird.

In Neos ist jedes Content-Element auch eine Node. Node heißt direkt übersetzt Knotenpunkt. Und hier geht vielleicht schon das ein oder andere Licht auf: Wenn jedes Content-Element ein Knotenpunkt ist, ist es mit anderen Content-Elementen vernetzt. Es werden also automatisch Beziehungen zwischen den einzelnen Content-Elementen hergestellt. Jede Node hat einen Typ und jeder Node-Typ bekommt automatisch ein bestimmtes Subset an Eigenschaften zugewiesen. Das gewährleistet die grundlegende Funktionalität einerseits, da eine Text-Node z. B. die Eigenschaften headline und text zugewiesen bekommt. Zusätzlich ist dieses System bei der (automatisierten) Kommunikation zwischen den Nodes eine große Hilfe, da sich die Informationen aus den Eigenschaften einfach referenzieren lassen.

Vielleicht hilft hier noch ein Anwendungsbeispiel, das System und seinen Nutzen zu verstehen:

Jede Person auf unserer Team-Seite, zum Beispiel Mladen, wäre eine Node mit dem Node-Typ Person.

Mladen_Teamseite

Auf unserer Team-Seite tummelt sich Mladen neben vielen weiteren Kollegen. Ihr könnt dort einiges über die Menschen hinter CAMAO lernen.

Eine Person-Node muss immer die Informationen Name, Referenzen und Zitat beinhalten. Unsere Referenz-Seite für die Deutsche Telekom wäre wieder eine eigene Node, zum Beispiel vom Node-Typ Referenz, die Verbindungen zu meiner Person-Node hätte.

Telekom-Referenz-Sounddesign-1

Ein Ausschnitt unserer Referenz-Seite für die Deutsche Telekom. Mladen hat hier nicht nur seine gestalterischen Fähigkeiten eingebracht, sondern auch seine Expertise im Sound-Design.

Diese Strukturierung und Vernetzung von Content ermöglicht ausführliche Queries (Suchanfragen), durch die wiederum smarte Anwendungen wie z. B. Chatbots realisiert werden können. So ein Chatbot könnte einem in unserem Beispiel mit Leichtigkeit sagen, bei welchen Projekten Mladen überall das Sound Design übernommen hat oder wer von CAMAO alles an dem Projekt aus der Referenz beteiligt war.

Neos kann so zur zentralen Quelle für Informationen zu jeglichem Content werden und diesen intelligent verwalten. Aber natürlich sollte man auch hier Grenzen setzen: Kundendaten sind beispielsweise in gesonderten CRM-Systemen deutlich besser aufgehoben – die natürlich über eine API mit Neos kommunizieren können.

Warum benutzt nicht jeder Neos?

Das Potenzial, der mögliche Return-on-invest von Neos, wenn man sich sorgfältig mit dem System auseinandersetzt, ist sehr hoch. Aber dieser initiale Workload ist eben auch höher als bei einem durchschnittlichen CMS. Dazu kommt, dass eine qualitativ hochwertige Website von einiger Komplexität in keinem Fall ein Schnäppchen ist.

Dieser initiale Workload ist eben auch nicht nur technischer Natur. Er benötigt eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Unternehmensstrategie und darunter der Content-Strategie, bevor man auch nur ein MVP vorzeigen kann. Und dabei hilft Neos selbst nicht, das System trifft keine Annahmen über deine Daten (Content), weil es sie schlicht nicht kennt. Neos ist gewissermaßen nur der Enabler für mehr Struktur des Contents. Im Vergleich ist daher das Fast-Food-Versprechen vieler CMS, in kürzester Zeit alles bereit und verzehrfertig zu haben, verlockender. Das soll im Übrigen kein CMS-Bashing sein. Wir arbeiten mit einer Vielzahl verschiedener CMS und sind z. B. auch Sitecore Silver Partner.

Hauptsache neugierig: Was denkt ihr über das Thema?

Ich hoffe, ihr konntet ein bisschen etwas aus diesem Beitrag mitnehmen. Ich verfolge weiterhin gespannt die Entwicklung im Bereich der CMS – und leiste meinen eigenen, kleinen Beitrag. Aber egal ob zu Neos, Sitecore, anderen CMS oder den Herausforderungen und möglichen Lösungswegen, wie man Informationen digital am besten aufbereitet: Wir sind immer gerne Ansprechpartner für Fragen, Ideen und Anregungen. Schreibt einfach eine E-Mail an hello@camao.one.

Der Autor

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