Ein Beitrag von Andreas Kölle.

Facebook und Instagram sind im Moment wahrscheinlich die größten Schaufenster der Welt. Marken nutzen die beiden Plattformen, und weitere, wie zum Beispiel Pinterest, um ihre Produkte entweder selbst anzupreisen oder von Influencern präsentieren zu lassen. Seit ein paar Jahren geht der Trend auch dazu über, dass die Nutzer direkt durch das „Schaufenster” greifen können und sich eigentliche Social Networks zu digitalen Shopping-Malls entwickelt haben.

PwC hatten bereits in ihrem Consumer Insights Survey 2019 festgestellt, dass fast zwei Drittel der Befragten in ihrer Kaufentscheidung durch soziale Medien beeinflusst werden. Klar, wer liest sich schon gerne akribisch durch oft dröge Produktbeschreibungen? Auf Instagram & Co. findet man das Produkt der Wahl locker präsentiert, und wenn es kein Match ist, kann man ohne Umstände wieder zum algorithmisch perfektionierten Feed wechseln.

Und der Algorithmus sorgt auch dort für Umsatz: Über native Anzeigenformate werden Nutzer auch beim Scrollen zum Kauf angeregt. In den USA sagen sogar die Hälfte der Befragten einer Vision-Critical-Studie, die ein Produkt über Social Media gekauft haben, dass sie gar keine Kaufabsicht hatten, bevor sie über das Produkt „gestolpert” sind.

Ist Social Commerce einfach nur E-Commerce?

Soviel zur Vorgeschichte. Der große Unterschied zum klassischen E-Commerce liegt im Einkaufserlebnis. Hier spart man sich das mühselige Aussuchen des richtigen Onlineshops, das Artikel finden, in den Warenkorb legen, den Bezahlvorgang und so weiter. Das Produkt, ob gesucht oder algorithmisch vorgeschlagen, klickt man beispielsweise direkt im Instagram-Post an und man kommt direkt zur Kasse, um den Kauf abzuschließen. Dadurch wird das Erlebnis für die Kunden natürlich um ein Vielfaches bequemer und mögliche Absprungstellen werden erheblich reduziert.

Statistik-Social-Shopping-1

Bereits ein Viertel der Deutschen haben über soziale Netzwerke geshoppt. Ein weiteres Viertel könnte sich das vorstellen.

Soziale Netzwerke sind also auch hierzulande bereits ein ernstzunehmender Sales-Kanal. Und noch dazu sind sie verdammt gut darin, sich selbst zu verstärken. Zufriedene Kunden haben eine direkte Anlaufstelle für die Marke, wo sie positive Erfahrungen teilen können: egal ob als Tag oder Rezension auf Facebook, Kommentar auf Instagram oder auf Pinterest. Dieser Impuls lässt sich über aktivierende Einzelmaßnahmen oder gut aufgesetzte Kampagnen natürlich noch verstärken. Authentisches Word-of-Mouth-Marketing ist auch digital Gold wert.

Nicht zu vergessen ist in diesem Zusammenhang das Influencer-Marketing, denn auch hier haben wir bereits sehr positive Erfahrungen sammeln können. Wichtig ist nur: Egal, was man macht, es sollte dezent, gezielt und nicht zu aufdringlich sein, sonst ist dem Ruf auch schnell geschadet – heißt, sei behutsam. TikTok ist trotz explodierender Nutzerzahlen noch etwas Nesthäkchen, was die Kommerzialisierung der Plattform betrifft. Der Wille zum Aufholen ist aber da: Die Werbemöglichkeiten werden konstant ausgebaut und es gibt die Möglichkeit, Links zu Shopping-Websites auf dem eigenen Profil zu hinterlegen. Ob TikTok um echtes In-App-Shopping erweitert wird, steht aktuell noch in den Sternen.

Möglichkeiten von Social Commerce nach Plattform

Facebook

Facebook führt die Statistiken der Social-Media-Plattformen in puncto Nutzerzahlen immer noch an. Eine Möglichkeit hier ist der „Kaufen-Button“, der direkt in Beiträge integriert werden kann. Ein Klick auf diesen Button ermöglicht es Händlern, Produkte direkt aus Ihrem Shop in Posts zu integrieren und diese den Nutzern schnell und ohne Plattformwechsel zu verkaufen.

Instagram

Die auf Bilder und Videos fokussierte Plattform hat, ähnlich wie Facebook, einen „Shop Now-Button“ und ermöglicht es seinen Nutzern, alle Artikel im Beitrag einfach und schnell zu erwerben. Influencer oder Händler können Produkte perfekt in Szene setzen und den Nutzer so direkt zum Kauf animieren.

Pinterest

Das Portal ist ebenfalls stark auf Fotos und Animationen fokussiert und hat sich hauptsächlich im Bereich Mode und Kunst etabliert. Das direkte Verkaufen von Produkten gibt es zurzeit nur teilweise, es wird aber stark ausgebaut. Möglich, dass sich das lohnen könnte, denn über Pinterest haben nach eigenen Angaben bereits 61 Prozent der Nutzer ein Produkt oder eine Marke entdeckt.

Noch ist Platz in der Social-Commerce-Lokomotive

Auf den sozialen Medien kann man Produkte direkt dort platzieren, wo sie sich sowieso bewegen. Die immer vielfältigeren und einfacheren Möglichkeiten, aus dem digitalen Schaufenster gleichzeitig einen Shop zu machen, sind für Unternehmen deshalb eine willkommene Entwicklung. Vor allem jüngere Menschen nehmen diese Art des Shoppings sehr gut an, weshalb gerade Mode- und Lifestyle-Brands Social Commerce schon für sich entdeckt haben.

Und was bringt die Zukunft? Ich gehe davon aus, dass der Trend sich weiter intensiviert. Die Plattformen werden das Nutzerlebnis noch glatter striegeln und der Anteil an „Social Shoppern” auch in Deutschland stark ansteigen. Wichtig ist es jetzt, eine gute Strategie für die eigenen Kanäle zu haben. Denn nichts ist trauriger als ein verwaistes Unternehmensprofil. Und die Kauflust wird durch wochenlange Stille im Feed höchstwahrscheinlich auch nicht gesteigert. Einen besseren Zeitpunkt, um ins Thema Social Commerce einzusteigen, gibt es also nicht. Egal, ob direkt mit der Shop-Präsenz oder einfach nur mit einer intensiveren Präsenz auf den sozialen Netzwerken, die schrittweise ausgebaut wird.

Ich freue mich darauf, die Möglichkeiten von Social Commerce weiter für unsere Kunden zu erforschen und diesen Sales-Kanal für sie nutzbar zu machen. Wenn auch Ihr Fragen zu Social Commerce oder anderen digitalen Themen habt, schreibt uns einfach: hello@camao.one.

Der Autor

Koelle-Andreas
Andreas Kölle
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