Bild: Anna Kuznyetsova

Wie muss Bildung heute aussehen, um für morgen zu wappnen? Lässt sich unser Bildungssystem immer weiter ausbessern oder endet es irgendwann als löchriger Flickenteppich? Vergangenen Montag stellte sich die digitale Community des Rhein-Main-Gebiets dieser Frage auf dem Webmontag Darmstadt.

Eine Frage mit erstaunlich viel Andrang bei einem Publikum, das sich doch mehr mit Forschung oder Auftragskommunikation – Erwachsenendingen eben – beschäftigt. Die Besucher des Webmontags sind natürlich vielfältiger, als im vorherigen Satz behauptet. Trotzdem ist (Schul)Bildung in der Öffentlichkeit ein Nischenthema, wenngleich bei jeder Gelegenheit seine Wichtigkeit beschwört wird. Zeit, sich die Sache mal genauer anzusehen.

Die Leistungskurse: Digital lernen

Der Einstieg in den Webmontag war freilich etwas lockerer. Es begannen die Organisatorinnen des Kinder- und Jugendliteraturfestivals „Huch, ein Buch!”. Ihre Herausforderung: Einer Generation, die vom Kindesalter an mit kleinen Multimedia-Wundern (aka Smartphones) aufwächst, ein so „eindimensionales” Medium wie das Buch wieder schmackhaft zu machen. Das geschah ohne anti-digitalem Eifer und mit Humor, der genug Raum für friedliche Koexistenz lässt.

Weiter ging es mit Ahoiii, die für spielerisches, kindgerechtes Lernen stehen. Ihre liebevoll gestalteten Apps nutzen die Möglichkeiten digitaler Medien, anstatt bloß analoge Inhalte auf sie zu übertragen. Das kleine von drei Vätern gegründete Studio hat mittlerweile über 10 Apps zu vielfältigen Themen wie Sport, Mathematik und Logik herausgebracht.

In dieselbe Kerbe schlug Gessica Cafaro von der Digitalwerkstatt, einer Initiative des Spielzeugherstellers HABA. Die Digitalwerkstatt bietet Kindern und Jugendlichen Lerninhalte in Form von Workshops und Kursen, die die natürliche Neugier fördern und belohnen. Da werden auch schon mal Roboter gebaut oder kleine Spiele mit Scratch programmiert.

Gregory Grund von den Digitalen Helden setzt im Entwicklungsprozess etwas später an: SchülerInnen werden zu besagten „Digitalen Helden“ ausgebildet und dienen jüngeren SchülerInnen als Ansprechpartner. Sie vermitteln nicht nur Know-how, sondern helfen auch bei sozialen Fragen wie Cybermobbing.

„Es brennt und jeder weiß, wo er zu stehen hat. Das gleiche für Digital erreichen.“ Würdiges Abschlußstatement für den Abend von @GregoryGrund. #wemoda

— CAMAO AG (@CAMAO_AG) 14. Mai 2018

Wie macht man Schüler nachhaltig fit für die Zukunft, wenn diese sich schneller wandelt als man Kultusministerium buchstabieren kann? Björn Karg, Lehrer an der Georg-Ackermann-Schule, beschäftigt sich mit dieser Frage. Geld – oder der Mangel desgleichen – scheint dabei für die Schulen weiterhin ein zentrales Thema zu sein. Und wenn es mal da ist, ist es an behördliche Vorgaben gebunden, die nur selten zu den individuellen Gegebenheiten an einer Schule passen.

(Keine) 5-Minuten-Pause: Schnell mal die Welt verbessern

In dem kultigen „5-Minuten-für“-Format fanden wieder einige Projekte Platz, die viel mehr Aufmerksamkeit verdient haben: Niels Kunz stellte Next Generation Africa vor. Der Verein versorgt Schüler in Malawi mit handlichen „digitalen Bibliotheken“, die auch offline funktionieren und das potentielle Bildungsangebot in dem westafrikanischen Staat drastisch erhöhen.

Marco Holz erzählte von dem Programm des Chaos Computer Club „Chaos macht Schule“, das Darmstadts Schüler mit dem Handwerkszeug für einen mündigen Umgang mit dem Internet vertraut macht.

„Da muss es einen Ort geben, wo man sich trifft.“ – Peter Holnick über die digitale Bildung für Eltern. #wemoda

— CAMAO AG (@CAMAO_AG) 14. Mai 2018

Dass Medienkompetenz nicht nur auf Seiten der Schüler beginnen kann, verdeutlichte Peter Holnick vom Institut für Medienpädagogik und Kommunikation. Auch die Eltern müssen versuchen, auf dem Laufenden zu bleiben. Dass das nicht leicht ist, sei bewusst, also müssen Lösungen her. Eine Idee: Ein konstant geöffneter Ort der digitalen Medien, wo Eltern ausprobieren, sich treffen und austauschen können.

Schule aus, Kopf voll

Nach Stunden konzentrierter Aufmerksamkeit war der Wissensdurst erst einmal gestillt. Wir durften viele tolle Projekte kennenlernen, die uns hoffnungsvoll in die Zukunft blicken lassen. Probleme und Raum zum Anpacken gibt es natürlich trotzdem noch. Die Denkanstöße dieses Abends sorgen aber sicher schon bald für neue Initiativen zum Thema digitale Bildung. Als Teil der Digitale Darmstadt e. V., den Organisatoren hinter der Veranstaltung, sind wir froh, genau das bewirken zu können.

Über den Verein lässt sich übrigens auch mehr in Erfahrung bringen. Unser Heiko hat sich vor kurzem Anna von der Digitale Darmstadt für ein kurzes Interview geschnappt. Wer den nächsten Webmontag jetzt nicht verpassen möchte (und das solltet ihr nicht), kann uns einfach auf Facebook, Twitter oder Instagram folgen. Wir lassen es euch rechtzeitig wissen.

/C you next time!