Ein Gastbeitrag von Heiko Winter, Senior Art Director, Darmstadt / Team #wemoda.

Das war er nun, der 23. Mai. Der zweite Webmontag in Darmstadt. Und auch diesmal: am Ende ein voller Erfolg. Die Centralstation war sehr gut gefüllt, das Thema „Leben im Neuland – die digitale Stadt“ ohnehin interessant und die Speaker waren sehr gut. Einige sogar richtig gut! Und auch dieses Mal gab es viel zu lernen, zu entdecken und zu lachen. Und zwar nicht nur für die Zuschauer, sondern auch für uns: Das Team, das den Webmontag organisiert. Und Organisieren ist das Stichwort, denn es gab noch eine Zeit davor – vor dem 23. Mai, 19 Uhr.

DIE MENSCHEN DAHINTER – DIE LEITUNG GLÜHT

In unserem Fall glüht es meist virtuell. Zum Beispiel „Slack“, unser Kommunikationstool. Wir – die Menschen, die „dieses digitale Etwas“ greifbar machen – sind nicht virtuell. „Wir“, das sind ca. 30 Leute, die sich vorwiegend aus den sieben Agenturen und den Einzelmitgliedern des Digitale Darmstadt e. V. rekrutieren. Wir haben uns in Teams unterteilt und jedes Team kümmert sich in verschiedenen Channels um etwas anderes: den Ablauf und Plan des Events, die Medien, die Speaker-Akquise, Sponsoring und Video, die Präsenz der „Digitale“ auf anderen Events und Kongressen sowie natürlich um die Organisation der Bastelwochenenden. Allein seit dem 2. November 2015, an dem der erste Webmontag Darmstadt stattfand, wurden in den Slack-Channels – Stand Dienstagabend – 5.502 Nachrichten verschickt und 228 Dateien geteilt. Alle anderen Dateien, Logos, Illustrationen, Social-Media-Grafiken und natürlich die „Präse“ für die Veranstaltung landen in der Cloud. Die Leitung glüht. Und zwar richtig.

DIE MENSCHEN DAVOR – UND „TAM TAM“

Die wichtigsten Menschen des Abends sind aber eigentlich andere. Nämlich zum einen die Speakerinnen und Speaker und zum anderen natürlich die Zuschauer. Wir sehen sehr viele Leute, die auch schon beim ersten Webmontag da waren, aber auch viele neue Gesichter. Die Vorfreude wächst. Auch bei uns. Die meisten unserer Redner kenne ich bestenfalls vom Lesen aus dem „Speaker-Channel“; andere Namen sind schon eher geläufig: Christian Kreutz zum Beispiel oder auch die letzte Speakerin des Abends, Julia Manske, die dieses Jahr auch auf der re:publica | TEN sprach. In diesem Fall sprechen wir im Team übrigens meist von „Tam tam“. Meint: Bei diesem Speaker „geht was“, man kennt sie oder ihn, es wird sozusagen ein Selbstläufer und ein „Magnet“. Eben die Art von Menschen, die auch gleichzeitig „Marken“ sind, die „es rausreißen“ und einen Abend interessanter und spannender machen – wie eben Julia Manske bei diesem oder Johannes Kleske und Thomas Pleil beim ersten Webmontag.

MACKEN – ANALOG TRANSFORMIERT

Macken sind ja sympathisch, sagt man. Wenn viele Menschen zusammen kommen – auch (oder gerade) wenn sie gemeinsame Interessen haben – stellt man oftmals Macken fest. Bislang zum Glück immer nur so viele, dass die 400 Gäste in der Centralstation sie kaum wahrnehmen. Und wenn doch, wird’s lustig und bereichert den Abend. Der eine oder andere (Freud’sche) Versprecher auf der Bühne vielleicht. Oder auch das Baby, dass – an der Mami festgegurtet und kurz vorher von der Lüftungsanlage sanft in den Schlaf gebrummt – die erste Bühnenerfahrung macht. Aber alles ist gut: Wir sind ja alle per Du. Die oben erwähnten Bastelwochenenden haben’s übrigens in sich. Ein wahres „Mackenschlachtfeld“. Fleißig werden die Illustrationen und schwarzen Kronkorken-Icons abermals transformiert. Diesmal analog. Vulgo: Mit der Hand geklebt, besprüht, gebastelt. Digitale Transformation lebt offenbar vom scheinbar Gegensätzlichen. 😉

MERKEL – UND MARKEN

Erwartungskonform und unvermeidbar, nach langer Vorbereitung, kam er dann, der 23. Mai, 19 Uhr. Der Saal ist voll, die Netzwerke scharf und die Macken … nun ja. Während die Slack-Channel mittlerweile fast verkehrsberuhigt wirken, glüht bei Twitter abermals die Leitung. Wieder mal ist #wemoda auf Platz 1 bei den „Trending topics“. Beim ersten Mal mussten sich „Bauer sucht Frau“, „Plasberg“ und sogar Angela Merkel geschlagen geben – Merkelraute verliert gegen Digitalraute. Fun fact: Merkel sprach damals im benachbarten Darmstadtium – auf einer „Zukunftskonferenz“ der CDU. Dieses Mal ist es wieder spannend. Und sogar spannender als die Bundesliga-Relegation, die zur gleichen Zeit stattfand. #wemoda lag deutlich in Führung. Weit vor der #Eintracht.

Aber in welchem Umfeld bewegen wir uns mit dem Webmontag eigentlich? Die digitale Stadt, Open Data, Soziale Zäune und Digitorials – allesamt Ausprägungen der digitale Transformation der letzten Jahre – bewegen jedenfalls die Menschen. Natürlich bewegen wir uns auch in einem Markenumfeld. Der Webmontag schickt sich vielleicht sogar selbst an, zu einer Marke zu werden. Alle Beteiligten versprechen sich etwas davon. Sichtbarkeit, Wahrnehmung der eigenen Marke, Multiplikation. Gegensätze sind aber auch hier zu finden. Von einem „herkömmlichen“ Markenverständnis kann hier anscheinend nicht die Rede sein. Beim Webmontag treffen Ideen auf Multiplikatoren, Köpfe auf Macher und letztlich Marken auf Menschen.

Kooperieren statt Konkurrieren ist hier kein Lippenbekenntnis. Auch die Zuschauer haben ein feines Gespür dafür, ob die Selbstdarstellung weniger Protagonisten die eigentliche Sache – die Idee – zu übertönen scheint. Markenbildung und Branding haben sehr viel mit Veränderung, also Transformation zu tun. Digitale Transformation somit auch mit digitalem Branding, mit dem eigenen Selbst, aber auch mit dem eigenem Umfeld – Darmstadt. Alles färbt irgendwie auf alles ab. Und der Webmontag steckt an. Mit quäntchen+glück, Ion2s, Profilwerkstatt, Schumacher Visuell, Vollbild Audiovisuell, VSonix und natürlich uns: CAMAO.

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Der Autor

![Heiko Winter](/blog/content/images/2016/05/heiko_200x200.jpg)**Heiko Winter** Senior Art Director, Darmstadt [![Heiko bei Xing](/blog/content/images/2016/02/xing_logo-1.png)](https://www.xing.com/profile/Heiko_Winter2)
Fotos: Stefan Holtzem