Ein Beitrag von Lisa Schürg.

Community ManagerInnen sind viel mentalem Druck ausgesetzt. Klar, gibt es auch schöne und bereichernde Interaktionen – und dieser Teil überwiegt glücklicherweise. Doch auch du hast sicher schon mal einen Shitstorm im Netz verfolgt, vielleicht ja ganz entspannt auf der Couch und mit einem süffisanten Lächeln. Wir Community ManagerInnen sind allerdings oft mittendrin.

Und das schüttelt man teilweise nicht einfach so wieder ab. Wie verarbeitet man also negative Interaktionen sowohl beruflich als auch privat als Mensch? Darüber möchte ich heute anlässlich der Blogparade des Bundesverband Community Management zum Thema Resilienz schreiben.

Zeiten wie diese sind natürlich besonders anstrengend. Viele Menschen sind gestresster und haben weniger Möglichkeiten, ihren Stress loszuwerden. Dies spüren wir als Community ManagerInnen besonders: Die Stimmung ist aufgeladener, Kommentare sind hitziger und die Bereitschaft für verbale Duelle deutlich höher als sonst. Alle haben Recht und die Weisheit mit Löffeln gefressen. Mittendrin in dieser Manege aus Meinungen und Anfeindungen stehen oft wir und müssen mit den verschiedensten Energien – Wut, Frust usw. – jonglieren. Das kann definitiv auslaugen.

Ich soll am Berufsstress auch noch wachsen? 🙄

Klar, hier wird gerne, und oft zurecht, von der Schattenseite des Berufs gesprochen. Ich persönlich sehe gerne das Positive in den Dingen und vielleicht kann ich das auch euch etwas näherbringen. Natürlich gibt es gewisse Grenzen im Umgang miteinander, die man für sich selbst auch in diesem Beruf sehr gut kennen und respektieren muss. Aber schon vor einer potenziellen Grenzüberschreitung hast du unglaublich viel Einfluss darauf, wie du Situationen wahrnimmst und was sie in dir auslösen.

Dein Mindset, deine Bewertung der Situation kann sehr viel ausmachen. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass man hier ein enormes Potenzial hat, persönlich und beruflich zu wachsen. Auch wenn das im ersten Moment etwas merkwürdig klingt und es einfacher ist, den Stress „auszuhalten und zu vergessen”. Vielleicht kannst auch du es als Challenge sehen, bewusster mit dir selbst umzugehen. Sowohl im Beruf als auch privat.

Cool bleiben während der Social-Media-Schlammschlacht? 💩

Auch – oder gerade – wenn der Ton mal leidenschaftlicher wird, hilft emotionale Distanz. Bei der Arbeit versuche ich mich mental in eine Art Beobachterrolle zu versetzen. Ich versuche zu spüren, was die Diskussionen und Kommentare mit mir machen. Je bewusster du dir darüber wirst, desto weniger lässt du dich von der Stimmung einsaugen.

Resilienz-Schlamm-Gummistiefel

Manchmal ist es verlockend, den Gefühlen nachzugeben und sich etwas Luft zu machen. Am Ende des Tages macht man sich dabei aber oft nur mit dem Schlamm anderer dreckig.

Vor allem ist es wichtig, die Gefühle des Anderen beim Anderen zu lassen und sie nicht zu deinen zu machen. Es ist nicht dein Frust, deine Wut, dein Recht-haben-wollen. Als Beobachter sind alle Kommentare „gleich-gültig“, im besten Sinne des Wortes. Du hast eine neutrale Perspektive.

Ok, ich gebe zu: Das funktioniert auch bei mir nicht jeden Tag perfekt. Und dieses Mindset immer präsent zu haben und auch anzuwenden, erfordert viel Achtsamkeit und Bewusstsein. Das kann man aber lernen und üben.

Natürlich kannst du deinen Verstand nicht komplett ausblenden, wozu auch. Er ist ja ziemlich nützlich. Aber du kannst beeinflussen und wählen, was du denkst und wie oder sogar, ob du es bewertest. Das Ganze hat also etwas von Meditation. Und das bezieht sich nicht nur auf die neutrale Beobachterrolle, sondern geht noch ein bisschen tiefer.

Wer Empfindungen bewusster wahrnimmt, kann sie besser einordnen? 🤔

Ich versuche so viel wie möglich ins Hier und Jetzt zu kommen, mir den Moment und meine Gefühle bewusst zu machen. Und zwar bei allem was ich tue: ob ich arbeite, Kids bespaße, mich um Haushalt & Hund kümmere und und und. Dazu habe ich mir in jedem Raum und auch an Geräten wie meinem Laptop oder dem Telefon Notes angebracht.

Bei der Wahl der Notes kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen. Ich persönlich nutze kleine Herzchen-Sticker. Jedes Mal, wenn ich so ein Herz sehe, ist das mein persönlicher Reminder, bewusst in meinen Körper zu hüpfen. Wie fühlt sich der Bürostuhl an? Die Tastatur? Meine Füße in den Schuhen?

Du wirst bemerken, dass sich der Verstand innerhalb einer Millisekunde einschaltet, die Dinge benennt, bewertet usw. Aber diese Millisekunde, die Zeitspanne zwischen neutraler Wahrnehmung und Bewertungen und Assoziationen des Verstands, sorgt dafür, dass sich immer mehr Entspannung und Gelassenheit einstellt. Ist echt so. Die meisten von uns sind noch keine komplett (oder halb) erleuchteten Buddhas, und darum ist dieser Moment anfangs sehr kurz. Das lässt sich aber trainieren. Und eben auch super einfach am Arbeitsplatz integrieren.

Und wenn ich doch mal den Stecker ziehen möchte … 🔌

Dann tu das! Der Ausgleich ist auf jeden Fall wichtig. Ohne ihn geht es nicht. Gerade als Mutter im Job brauche ich ab und zu etwas Zeit nur für mich. Die ermögliche ich mir, so gut das mit den Kids eben geht. Was auch immer dich glücklich macht, tu es. Naheliegend wäre gerade am Wochenende bewusst netzfreie Zeit einzuplanen.

Mein Ansatz ist jedoch etwas anders: Für mich ist alles eins. Ich trenne nicht so strikt zwischen Arbeitszeit und Freizeit. Für mich als Mutter ist es wichtig, alles zu integrieren. Wenn ich nur morgens, während ich 30 Minuten meditiere, stressfrei bin, und den Rest vom Tag an der Front versinke, nützt mir die Meditation am Morgen nichts.

Hiking-Blog

Bewusste Pausen – zum Beispiel in der Natur – sind natürlich wichtig. Wenn man allerdings den ganzen Tag gestresst ist und das alles mit einer Pause wieder ausgleichen will, ist das auch nicht der Königsweg.

Alles ist eins heißt jedoch nicht, alles ungeordnet und unreflektiert auf mich einprasseln zu lassen. Ich versuche grundsätzlich mit Achtsamkeit durch das Leben zu gehen. Wenn ich gestresst bin, frage ich mich, wo ich mich überstrapaziert habe. Wie kann ich besser planen, wie kann ich meinen Tag so strukturieren, dass ich Pausen bekomme etc. Diese Struktur funktioniert für mich sehr gut, ist aber auch keine Musterformel, die auf jeden Topf passt.

Danke, ich probiere mal, was für mich funktioniert!

Genau, experimentiere am besten selber. Integriere diese „Techniken” in einer Frequenz und Menge in deinen Berufsalltag, wie es sich für dich richtig anfühlt. Wenn ich schon dafür sorgen konnte, dass du etwas weniger Stress spürst, dich negative Interaktionen weniger runterziehen oder du besser mit ihnen umgehen kannst, bin ich schon glücklich.

Abschließend, um wieder auf die Blogparade zum Thema Resilienz zurückzukommen, kann ich also sagen: Resilienz erfordert auch Achtsamkeit und eine gute Kenntnis der eigenen Grenzen. Ob privat oder beruflich. Wie gesagt, bei mir ist das alles eins.

Ich habe den großen Vorteil, bei CAMAO in einem Unternehmen zu sein, das mir den Rücken stärkt. Es ist schon mehr als einmal passiert, dass bei einem Kunden freitags eine eskalierende Situation im Community Management war und Monitoring am Wochenende anstand. Wenn es mir zu viel ist, habe ich Kollegen, die ich anhauen kann und die mich unterstützen. Und die sind Gold wert! Denn auch wenn meine Tipps sehr auf das Selbst bezogen sind: Zusammen lassen sich viele Probleme noch viel einfacher lösen und es ist immer gut, sich Hilfe zu suchen.

Wenn auch wir dich bei etwas unterstützen können, dann schreib uns doch unter hello@camao.one