Als Heiko Winter bei CAMAO anfing, präsentierte Steve Jobs gerade das iPhone 5 und eine Plattform namens Instagram ging an den Start. Klingt nach einer gefühlten Ewigkeit? Ist es auch. Und genau deshalb freuen wir uns wie ein (Frankfurter) Schnitzel, dass dieser sympathische Kreativkopf aus der Mainmetropole auch nach 10 Jahren noch Teil der Crew ist. Was in dieser Dekade sonst noch so passiert ist und was er der kommenden Generation rät, erfahrt ihr im Folgenden.

Erinnerst du dich noch an deinen ersten Arbeitstag bei uns?

Tatsächlich erinnere ich mich ziemlich gut daran. Der 1.11. fiel auf einen Montag und CAMAO war noch im alten Darmstädter Büro. Meine Einführung, der obligatorische Bürorundgang, Halli Hallo mit vielen netten und fähigen Menschen, die ich damals schnell kennen und schätzen gelernt habe. Einige davon sind sogar immer noch hier, was natürlich toll ist. Es ging auch sofort ans Eingemachte: Ich kann mich noch ganz gut an mein allererstes Projekt erinnern – ein Salesfolder für das Lehrerportal der F.A.Z., das wir damals gestaltet und gelauncht haben (Anm. d. Red.: Gibt’s immer noch!). Am Ende wurde es eine Mappe aus Karton, die so produziert war, als sei sie original aus Leder hergestellt – eben wie man sich so eine alte Leder-Lehrertasche halt vorstellt. Witzigerweise war somit mein erstes Projekt bei CAMAO – also in einer Agentur mit Digitalschwerpunkt, was ein Grund für meinen Wechsel war – dann doch wieder ein Printprojekt, haha.

Wie hat sich deine Arbeit in der Kreation bei CAMAO in den letzten 10 Jahren verändert?

Ojemine, ich könnte jetzt sehr weit ausholen und berichten, was in den letzten 10 Jahren alles so in der Branche passiert ist – das habe ich aber bereits an anderer Stelle „schnell“ zusammengefasst.

Tatsächlich hatte die Entwicklung natürlich sehr große Auswirkungen auf meine Arbeit. Alles ist irgendwie noch digitaler geworden. Vor 10 Jahren dachten viele, die Spitze sei erreicht. Und ich glaube, wenn wir uns in 10 Jahren erneut zusammensetzen, werden die Sprünge, die wir dann erlebt haben, noch größer sein. Die Vernetzung der Technologien ist schon richtig enorm, die Gadgets werden immer intelligenter und die Rechner immer noch schneller. Und gleichzeitig ist vieles eigentlich gar nicht so arg anders: Die Smartphones sehen im Prinzip immer noch so aus wie 2007 – mal abgesehen davon, dass sie zeitweise immer dünner wurden – und wir sitzen zum Arbeiten immer noch vor großen Monitoren. In meinem Homeoffice sind’s mittlerweile sogar drei Stück – aber das ist im Grunde purer Luxus, haha. (Anm. d. Red.: Die ausführliche Home Story ist bereits in Planung.)

Meine eigentliche Arbeit hat sich natürlich verändert, vor allem durch die Tools, die unser Daily Business enorm erleichtern – Sketch fürs Screendesign zum Beispiel. Aber letztlich entstehen Kreativität und gute Ideen immer noch im Kopf und lassen sich am schnellsten und einfachsten mit einem einfachen Bleistift zu Papier bringen. Überhaupt: Kreativität ist meines Erachtens der mit Abstand wichtigste „Future Skill“ – nur durch unsere Ideen und unsere Schöpfungskraft können wir ökonomisch bestehen. Außerdem gibt’s da ja noch ein paar größere ökologische Bedrohungen, denen wir uns stellen müssen, ob wir wollen oder nicht. Und das geht wahrscheinlich auch nur mit kreativen Ideen.

Und was ist seit 10 Jahren gleich geblieben?

Ich hätte jetzt fast geantwortet, dass Facebook gefühlt immer noch so ausschaut wie vor 10 Jahren – aber da gabs ja kürzlich einen „Refresh“, haha. Nein, im Ernst: Gleich geblieben ist, wie schon angedeutet, dass die Werkzeuge, die wir benutzen, immer noch „nur“ Werkzeuge sind, die uns in unserer Arbeit unterstützen. Aber sie erledigen sie (noch) nicht für uns. Das war auch schon vor 20 oder 50 Jahren so. Kürzlich haben wir im Büro über die Serie „Mad Men“ gewitzelt, die bekanntlich in den 50ern spielt. Dort präsentiert der Art Director Don Draper die Story zu einem damals neuartigen Diaprojektor. Er beschreibt ihn als eine Zeitmaschine, mit der wir unsere Vergangenheit wieder erleben können, und sagt, dass die Technologie ein Köder sei, dem wir nur allzu gern erliegen. Am Ende erzählen wir Geschichten, lösen Probleme für Menschen und versuchen vielleicht sogar, unsere Welt etwas besser zu machen. Alles andere ist nur Werkzeug – selbst wenn man damit sogar mal wirklich durch die Zeit reisen kann … OMG, hoffentlich nicht, haha.

Angenommen, ich wäre 20 und hätte total Bock darauf, Art Director zu werden – was rätst du mir?

Okay, sehr hypothetisch, haha. (Anm. d. Red.: Danke, sehr nett!)
Vor allem rate ich dir, neugierig zu sein. Mit offenen Augen und gespitzten Ohren durch die Welt zu gehen. Okay, vielleicht noch erstmal ein oder zwei Praktika zu machen, um zu sehen, in welcher Welt du dich zu Hause fühlst. Und klar, ein Studium der visuellen Kommunikation ist am Ende sicher nicht verkehrt – aber sicher kein Muss. Wichtig sind Empathie, ein gutes Gespür für Form, Proportion und Farbe und dass man Bock hat, neue Dinge zu lernen.

Wie würdest du CAMAO in nur einem Wort beschreiben?

Crewlove!