Auf unserem fiktiven Wandteppich der CAMAO-Historie ist Daniel Hartnauers kluger Kopf in so manch heroischer Szene abgebildet. Egal ob bei Pitches, Projekten, Partys oder dem peu á peu des Alltags: 10 Jahre sind viel Zeit, um ein Unternehmen mitzuprägen – und selbst geprägt zu werden.

Genau darum soll’s heute auch mit dem sympathischen Familienvater und erfahrenen Konzepter gehen: Wir verfolgen seine Geschichte bis zu den ersten gesponnenen Fäden zurück, reden darüber, was gute Konzepter:innen auszeichnet, und natürlich ist auch ein Blick in die Zukunft dabei. Die nächsten 10 Jahre wollen ja gut geplant sein. Los geht’s!

Wie hast du zu CAMAO gefunden?

Ja, dunkel ist die Erinnerung noch vorhanden. Ich war vorher Kundenberater bei einer anderen, großen Agentur in Deutschland. Der Bereich „Konzeption” ist damals gerade erst entstanden, auch bei uns. Das habe ich mitbekommen und fand es interessant, weil ich schon immer gerne Dinge tiefer hinterfragt und gebohrt habe. Konzeption hat sich nach dem idealen Bereich angehört, um dieser Leidenschaft nachzugehen. Bei meinem damaligen Arbeitgeber habe ich aber keine Chance bekommen, in das Feld zu wechseln.

Und wie das so ist: Wenn eine Tür verschlossen bleibt, geht eine andere dafür auf. Mein Chef bei der anderen Agentur war gerade zu CAMAO gewechselt. Der hat mich kurzerhand gefragt, ob ich das Konzepterdasein nicht einfach dort ausprobieren möchte. Ich dachte mir, dass man so eine Chance nicht allzu oft bekommt und habe mir den neuen Laden angeschaut (in München waren wir damals noch in der Burgstraße). Letztendlich hatte ich so Lust auf dieses neue Berufsfeld, dass ich mich schnell für CAMAO entschieden habe. Witzigerweise war mein alter Chef dann gar nicht mehr dort, sodass das Wasser doch ganz kalt anstatt lauwarm war. Es ist trotzdem der richtige Schritt gewesen, wie ich heute mit Sicherheit sagen kann.

Daniel, hat man nach 10 Jahren überhaupt noch neue Ideen? Und wenn ja: Wie kommt man drauf? Was ist dein Geheimelixier?

Auf jeden Fall. Natürlich gibt’s ein gewisses Mindset, das sich entwickelt hat. Bei manchen Mechanismen weiß man aus Erfahrung, dass sie gut funktionieren und man greift gerne auf sie zurück.

Aber neue Ideen zu entwickeln, neue Dinge zu schaffen, das ist unerlässlich. Für mich gehören zu diesem Prozess zwei Komponenten: Zum einen musst du einfach up-to-date sein, ganz allgemein mit Bezug auf gesellschaftliche, politische, soziale Veränderungen. Also wissen, was die Leute umtreibt. Das verändert sich ja schon ständig – und wenn man da am Ball ist und das reflektiert, bekommt man immer wieder neue Impulse. Spezifisch für unseren Bereich der Kommunikation ist auch die Weiterentwicklung der Technologien und Arbeitsweisen immens wichtig. Neue Tools, Workflows, Organisationsstrukturen, Arbeitsmodelle, all das hält einen mental auf Trab. In Verbindung mit dem ersten Punkt formst du aus diesem konstanten Input automatisch neue Gedanken und Verknüpfungen, bringst Möglichkeiten und Probleme zusammen, denkst dir Lösungen aus.

Um das vielleicht kompakt zusammenzufassen … Irgendwer hat mal zu mir gesagt: Geh mit ‘nem wachen Auge und ‘nem offenen Ohr durch die Welt.

Das ist grundsätzlich der eine Aspekt, der mich zu neuen Ideen bringt.

Der zweite Aspekt, welcher auch besonders wichtig für mich und fester Teil meiner beruflichen Überzeugung ist, ist das Hineinversetzen in die Zielgruppe. Nicht der Verlockung des Schema F nachzugeben. Nicht zu sagen, dies und das haben wir schon immer so und so gemacht, sondern stets die Extrameile zu gehen und wirklich mal den gesamten Prozess oder das Produkt aus der Zielgruppe heraus zu denken. Ich stelle mir dann ganz konkret vor, wie ich als Zielgruppe X aufstehe, die und die To-dos, diesen Tagesablauf habe, welche Pains und Herausforderungen mich umtreiben. Bei mir grenzt das schon manchmal an einen meditativen Zustand, den ich dabei erreiche.

Dieses Reindenken gelingt mal mehr, mal weniger gut. Es hängt zudem davon ab, wie viele Informationen (Materialen, Umfragen etc.) man hat, um diese eigentlich fremde Perspektive zu illustrieren und lebendig zu machen. Im Idealfall kann ich mich aber sehr gut reinversetzen und komme aus diesem Denken auf Ideen und Ansätze, die mitunter schon sehr gut angekommen sind.

Wie hast du dich in den 10 Jahren beruflich und persönlich weiterentwickelt?

Wenn wir wirklich 10 Jahre zurückblicken, ist die berufliche Weiterentwicklung enorm. Einfach weil ich, wie schon gesagt, als Konzepter ja praktisch bei 0 angefangen habe. Ich hatte bereits Erfahrung mit digitalen Projekten aus meiner Zeit als Kundenberater, aber das Konzeptionshandwerk war völlig neu für mich. Nur aus meinem Studium hatte ich eben diese Leidenschaft dafür, Dinge tiefer zu hinterfragen, was ich ja in der Konzeption ausleben wollte.

Ich bin also einfach ins kalte Wasser gesprungen und war offen, mir neue Dinge anzueignen, Tipps anzunehmen, auf Kritik und Verbesserungsvorschläge zu hören. Bei CAMAO waren viele gute Leute, die mir einiges beigebracht haben. Manche von denen sind noch da. Ich bin für jede Person dankbar, von der ich lernen durfte und die mich in welcher Hinsicht auch immer ein Stück weitergebracht hat. Das betrifft natürlich nicht nur mein berufliches Profil, sondern auch meine Persönlichkeit.

Das Fachwissen, die inhaltliche Tiefe in der Konzeption, hat sich in den 10 Jahren stark vermehrt und gefestigt und jetzt kann ich da auf ein sehr gutes, sicheres Fundament und Selbstbewusstsein zurückgreifen. Mein Hintergrund als Kundenberater kommt in den letzten Jahren wieder stärker zum Tragen. Mit der Herausforderung, unser Büro in Innsbruck weiterzuentwickeln, ist diese Rolle wieder Teil meines Berufsalltags geworden.

Ich habe ja vorhin davon geredet, wie wichtig ich es finde, sich als Konzepter in die Zielgruppe reinzuversetzen. Mit den Jahren und mehr Erfahrung bin ich besser darin geworden – und habe die Wichtigkeit erkannt – das auch bei Kunden zu tun. Die haben immer eigene Restriktionen, mit denen sie umgehen müssen und nicht jeder Kritikpunkt ist ein Angriff auf uns oder unsere Arbeit. Wenn man das, was jetzt wie eine lapidare, offensichtliche Erkenntnis klingt, mal im Kopf drin hat, kann man seine eigene Arbeitsweise dadurch weiterentwickeln. Zu Beginn meiner Laufbahn hatte ich diese Weitsicht definitiv nicht. lacht Wenn Kunden ein Konzept oder eine Idee von mir nicht genommen haben, habe ich das schon mal persönlich genommen. Heute gehe ich damit besser um.

Kannst du uns ein berufliches und ein persönliches Highlight aus deinen 10 Jahren CAMAO nennen?

Ich würde es gar nicht so sehr an einem Projekt oder einem Kunden abhängig machen. An was ich mich immer gerne zurück erinnere, und wovon ich fachlich bis heute immer wieder unglaublich viel zehre, ist die Zusammenarbeit mit einem bestimmten Mitarbeiter: dem Roland (Anmerkung der Redaktion: Roland war bis 2016 bei uns als Art Director tätig, heute arbeitet er bei McCann). Das war einfach ein cooler Typ, ein guter Mensch und fachlich für mich die größte Inspiration gewesen, mit der ich je zusammengearbeitet habe. Einerseits hatte er ein enormes Fachwissen, aber noch beeindruckender war vielleicht seine einzigartige, kreative Art, Ideen zu entwickeln.

Als irgendwann klar wurde, dass er CAMAO verlässt, bin ich aus allen Wolken gefallen und es war wirklich schlimm für mich. In den letzten drei Monaten vor seinem Abschied haben wir dann noch oft zusammengesessen und er hat versucht, mir möglichst viel von seinem Wissen und seiner Herangehensweise zu vermitteln. Dafür war ich wirklich dankbar, weil er dazu in keiner Weise irgendwie verpflichtet gewesen wäre.

Auf jeden Fall habe ich mir in jedem Meeting gedacht: Scheiße, das kannst du mir noch tausend Mal erzählen, aber ich werde immer wieder überrascht sein, wie du in deinem Kopf Dinge miteinander verbindest und immer wieder etwas Neues entstehen lässt.

Das ist nach wie vor meine innere Messlatte, die ich wohl nie erreichen werde. Er war einfach unnachahmlich. Und darum ist die Arbeit mit ihm mein persönliches Highlight.

Die Weiterentwicklung vom Büro Innsbruck: War das eine Herausforderung, die du gesucht oder die dich gefunden hat?

Hmm, schwierige Frage. Beides irgendwie, glaube ich. Ich hatte als Konzepter ein gewisses Level erreicht, sodass der Wunsch, dort noch mehr in die Tiefe zu gehen, nicht mehr so stark war. Auch wenn das immer in vielen Aspekten noch möglich ist. Mich hat aber zunehmend interessiert, wie Entscheidungen auf Geschäftsebene gefällt werden, wie die Prozesse dort sind. Ich habe in dem Zuge oft mit Christian (Vorstandsmitglied) gesprochen und signalisiert, dass ich gerne mehr Verantwortung übernehmen würde. Und eines Tages kam dann die Frage, ob wir uns vorstellen könnten, nach Innsbruck zu gehen und unser –also CAMAOs – Geschäft dort auszubauen.

Ich habe das Thema also schon irgendwie gepusht, aber ganz, ohne das Büro Innsbruck da konkret im Kopf zu haben. Ich wollte einfach meinen Horizont erweitern und diesen Entscheidungsprozess, den Umgang mit so einer übergreifenden Verantwortung kennenlernen. Das kann ich jetzt schon besser nachvollziehen.

Natürlich kann ich diese Herausforderung zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vollumfänglich einschätzen. Ich wachse da Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr immer mehr rein. Ich stehe jeden Tag auf, versuche meinen Shit gut zu machen, über den Tellerrand zu schauen, und auch ein paar Extrameilen zu gehen.

Es war wieder mal ganz viel kaltes Wasser, Zweifel, ob wir (Anmerkung der Redaktion: Daniels Frau Anna arbeitet auch bei uns und lebt mit Daniel in Innsbruck) das Richtige gemacht haben. Und bis jetzt fühlt’s sich gut an. Wer weiß, wie die Reise weitergeht. Ich bin gespannt.

Wie würdest du CAMAO in nur einem Wort beschreiben?

Heimat.