Ein Beitrag von Holger Kahnt und Luis Dille.

Letztes Wochenende hatten wir wahrscheinlich mehr soziale Kontakte als das ganze Jahr 2020 über. Okay, kein Grund zur Aufregung, es geht nur um virtuelle Kontakte. Oder noch präziser gesagt: Audio-only Kontakte in den virtuellen Räumen von Clubhouse. Falls ihr noch nicht davon gehört haben solltet, Clubhouse ist derzeit die meistgehypte Social Media App aus dem Silicon Valley. Im Sommer letzten Jahres startete die App in den USA durch und bekam bereits mit 1.500 Nutzern eine Marktbewertung von 100 Millionen US-Dollar. Und nun ist sie auch bei uns gelandet.

Kurz zum Funktionsprinzip der App: Um mitzumachen, benötigt ihr aktuell eine Einladung von bestehenden NutzerInnen. Nachdem ihr euch diese ergattert habt, gebt ihr euren Nutzernamen und eure Interessen an und schon seid ihr dabei. In eurem Feed werden euch dann die Räume von Clubhouse angezeigt. Diese Räume sind meist mit einer Überschrift und somit einem inhaltlichen Thema versehen. Ein einfacher Klick auf den Raum genügt und ihr seid als stummer Zuhörer drinnen. Zumindest so lange, bis ihr eure „Hand hebt“. Dann könnt ihr von einem der Moderatoren auf die digitale Bühne geholt werden und fleißig mitdiskutieren. Im Prinzip ist das auch schon das gesamte Konzept. Die beste Analogie dazu sind vielleicht interaktive Podcasts oder Diskussionsrunden auf einer Messe, nur eben virtuell.

Das plötzliche Gefühl von Macht

Aber nun zurück zu unserem vergangenen Wochenende. Der Hype-Train wurde durch eine einfache Nachricht in unserer Whatsapp-Gruppe „flurfunk“ ins Rollen gebracht. Ein simples „Hey, ich habe noch zwei Invite Codes für Clubhouse, wer hat Lust?“ löste eine Nachrichtenwelle mit mehreren hundert Antworten aus. Ich, Luis, hatte die Codes angeboten und fühlte mich dann genau so:

t3n-clubhouse-1

Bild: www.t3n.com

Erstmal Füße ins Wasser halten ...

Innerhalb kürzester Zeit war halb CAMAO auf der Plattform vertreten. Warum nur halb CAMAO? Aktuell ist die App nur für iPhone-Nutzer verfügbar, da Sie nur unter iOS läuft und es noch keine Android-App gibt. Wir sind uns aber sicher, dass sich diese doch recht große Einschränkung bald auflösen wird.

Genutzt wurde Clubhouse dann über das Wochenende ganz unterschiedlich und alle konnten ihre eigenen Erfahrungen sammeln. Diese reichten von „Ich schnupper mal kurz rein und verstehe noch nicht ganz, wozu das alles gut sein soll“ bis hin zur fast durchgängigen Nutzung der App über das gesamte Wochenende.

Ich, Holger, verbrachte quasi mein komplettes Wochenende in der App. Der Hashtag #clubhouse taucht schon seit einigen Tagen immer öfter in meinem LinkedIn-Feed auf und ich war sehr neugierig, was es mit der App auf sich hatte. Nach 48 schlafarmen und Clubhouse-reichen Stunden kann ich sagen: Ich habe viel Neues gelernt, jede Menge interessante Kontakte geknüpft und bin nachhaltig angefixt.

Die Verbindungen entstehen ganz natürlich. Je mehr man sich einbringt, desto mehr wird man auch in die Community miteinbezogen. Und dann wird man einfach neugierig, welche Person hinter einem schlauen Satz, einer tollen Stimme oder einem Foto steckt. So sind auch erste Gespräche und Chats außerhalb von Clubhouse entstanden. In größeren Runden sind wir dann wieder für Talks und Ähnliches auf Clubhouse gewechselt – wo es auch „Closed Rooms“ gibt, für alle, die sich etwas mehr Privatsphäre wünschen.
clubhouse-holger-1

So sieht ein Clubhouse-Profil aus. Selbstbeschreibung, Profilbild, Connections – so weit, so klassisch.

… oder direkt Arschbombe?!

Zwischenzeitlich fand ich mich im „Sunday Breakfast Club“ sogar als Moderator von über 300 ZuhörerInnen wieder. Wie es dazu kam? Sascha Pallenberg, ex-Head of Digital Transformation bei Daimler, musste aus dem Raum, da er seinen LinkedIn-Livestream vorbereiten wollte. Seine Moderationsrolle hat er dann kurzerhand an ein paar Menschen auf der Stage, darunter auch mich, weitergegeben. Damit habe ich natürlich überhaupt nicht gerechnet. Der Puls ging steil nach oben und sofort schossen die ersten Fragen durch den Kopf: Wie hält man so ein Gespräch am Laufen? Wen holt man aus dem Publikum als nächsten Speaker auf die Bühne? Wen sollte man wie lange reden lassen? Es ist also gar nicht so einfach, eine Diskussion lebendig und interessant zu gestalten. Die Tech-Expertin Sarah Yvonne Elsser hat dazu direkt für t3n Rede und Antwort gestanden.

Auf Ohrenhöhe mit den (Digital-)Promis

Experten wie Sascha Pallenberg sind aktuell auch keine Seltenheit auf der Plattform. Teilweise lesen sich die Teilnehmerlisten der Räume wie das Who-is-Who der deutschen UnternehmerInnen- und DigitalexpertInnen-Szene. Für den Hype der Plattform war und ist es sicherlich auch von Vorteil, dass internationale Größen wie Drake oder Oprah Winfrey dort zu finden sind.

Mit Boulevard hat Clubhouse inhaltlich unserer Erfahrung nach jedoch wenig gemeinsam: Die Themen sind teilweise ganz schön komplex und waren in unserer Bubble viel auf Business & Digital fokussiert. Mal ging’s um Unternehmertum und Investieren, dann wieder um die genaue Funktionsweise von Bitcoin. Viel Futter für die grauen Zellen, aber wir haben auf jeden Fall einiges gelernt. Besonders schön fanden wir, wie viele Emotionen Menschen nur über ihre Stimme ausdrücken und wecken können. Es ist einfach eine angenehme Erfahrung, den unterschiedlichsten Personen zuzuhören und sich nur anhand des Profilbildes und der Stimme den Menschen dahinter vorzustellen.
clubhouse-interface

Die Rooms haben unterschiedlich aussagekräftige Beschreibungen. Hier im Bild sieht man direkt die gerade anwesenden Speaker.

Fazit nach einem Wochenende Clubhouse: sehr viel Potential, aaaber ...

Wir finden, dass Clubhouse unheimlich viel Potential hat und derzeit den Zeitgeist wie keine andere App trifft. Alle großen Messen und Events sind abgesagt, aber das Bedürfnis der Menschen, sich auszutauschen und zu networken, ist natürlich weiterhin da. Auf Clubhouse finden alle ihr Thema – und die Vielfalt der Diskussionen wird mit der Anzahl der exponentiell wachsenden Nutzer noch deutlich zunehmen.

Sicherlich hat man derzeit noch die rosarote Brille auf und sieht vielleicht bei einigen offensichtlichen Problemen und Fehlern der Plattform weg. Denn die sind leider genauso existent wie der Hype: So existiert in den USA bereits ein großes Problem mit Hatespeech und Antisemitismus. Hier wird der App ihr offenes und unmoderiertes Konzept selbst zum Verhängnis. Außerdem scheinen es die Macher auch mit dem Thema Datenschutz nicht allzu ernst zu nehmen. So wird zum Beispiel das gesamte Telefonbuch beim ersten Öffnen der App angefordert. Zudem ist es fraglich, ob das hohe Niveau der Gespräche über lange Zeit gehalten werden kann. Wir lassen uns auf jeden Fall mal darauf ein und schauen genau hin, wie sich die Plattform entwickeln wird. Folgt doch ein paar unserer CAMAOs auf Clubhouse! Wir freuen uns darauf, in einem der Räume mit euch in den Austausch zu kommen.

Unsere Clubhouse Handles: @holgerkahnt, @luisdille, @schwestaefta
@lucca.janzen, @meltyourmind_

Wer noch mehr über die Plattform erfahren möchte, dem sei der folgende Artikel des Digitalmagazins t3n empfohlen: Hype um Clubhouse: Was ist diese Social-App eigentlich und wo ist meine Einladung?

Und wann hören wir uns auf Clubhouse? 😉 Wer noch ohne Einladung ist, meldet sich gerne bei Holger. Fun fact zum Schluss: Übers Wochenende hat Holger „Clubhouse Connect” ins Leben gerufen, bei dem wir Menschen ohne Einladung mit Menschen mit Einladung vernetzt haben. Win-Win-Win: so haben sich Menschen bei LinkedIn vernetzt, die sich noch nicht kannten und nun gemeinsam bei Clubhouse sind.


Quellen: https://t3n.de/news/hype-um-clubhouse-diese-1349947/; https://www.spiegel.de/netzwelt/apps/clubhouse-was-man-ueber-die-trend-app-wissen-sollte-a-e958fd5c-2664-477a-b4ac-411093d38f90