Ein Beitrag von Johanna Stöpler und Birte Teichert.

Höher, schneller, weiter – das scheint auch in diesem Jahr wieder für die „Online Marketing Rockstars“ in Hamburg zu gelten. Jedes Mal wird die Messlatte ein Stück höher gelegt. Wir stellen uns die Frage: Braucht es das wirklich? Ja, teilweise.

Zugegeben: Das Rad wurde hier nicht neu erfunden. Aber an den zwei Tagen konnten wir dennoch neue Erkenntnisse mitnehmen. Hauptsächlich haben wir Masterclasses rund um die Themen „Instagram Insights“, „Influencer Marketing“ und zum Thema Künstliche Intelligenz besucht.

Unverzichtbare Meinungsmacher

Vieler Meinungen zum Trotz: Influencer sind noch lange nicht out! Aber wer sie in Zukunft einspannen will, sollte folgende Punkte im Hinterkopf behalten:

  • Influencer sind Markenbotschafter
  • Authentizität ist das A und O
  • Influencern genügend Freiheiten in der Gestaltung lassen, weil sie ihre Community am besten kennen

Weitere Einsichten erhielten wir bei der „Instagram – Alles was du wissen musst zu Branded Content, Shopping und neueste Insights zur deutschen Community“ – Masterclass.

Instagram begleitet seine User bei allen Phasen der Customer Journey:

  • Awareness: Interesse wird geweckt
  • Favorability: Produkt wird favorisiert
  • Consideration: Der Kauf wird überlegt
  • Intent to Purchase: Der Kauf wird provoziert
  • Conversion: Der Kauf

Neues Feature kommt: „Checkout“

Dieses soll in naher Zukunft in Deutschland gelauncht werden. Vor allem soll der letzte Punkt „Conversions“ der Customer Journey vereinfacht werden. Produkte werden auf der Bilderplattform nicht nur markiert, sondern der komplette Kauf kann in Instagram abgebildet werden – ohne Weiterleitung auf eine externe Seite.

Neben diesen News rund um die Funktionalität von Instagram, gab es noch hilfreiche Tipps von Instagram-Profi Paul Ripke. Ripke nennt Kontinuität als einen entscheidenden Faktor für ein erfolgreiches Instagram-Format und geht mit seiner Reihe „Daily Ripke“ als gutes Beispiel voran. Ein weiterer, wichtiger Punkt ist das Bearbeiten und die Anpassung der Bilder für die richtigen Formate. Ripke nutzt und empfiehlt hierfür die App „Darkroom“.

Was Marketing und Todsünden gemeinsam haben

Die Konferenz startet an Tag 2 für uns mit Philipp Westermeyer und seinem Vortrag „State of the German Internet“.

Die wichtigste Frage die wir uns dazu stellen sollten ist „How do we make people care again?“. Am Beispiel von Check24 wird deutlich, wie schwierig es für das Marketing geworden ist, innerhalb von Millisekunden die Aufmerksamkeit des Users zu bekommen. Trotz der aggressiven Werbung von Check24, die mit konkreten Ersparnissen beim Wechsel des Stromanbieters lockt, nutzen 90% der User dieses Angebot nicht. Aber wie schaffen wir es denn jetzt die Aufmerksamkeit der Nutzer zu gewinnen? Eigentlich ganz einfach: Mit den Urinstinkten des Menschen! Hierfür hat Westermeyer einen ungewöhnlichen Vergleich mit den sieben Todsünden gezogen:

  1. Zorn – Besonders im Internet teilen Menschen sehr schnell ihren Zorn mit. Dies kann als effektive Marketing Taktik genutzt werden.

  2. Begehren – Begehren als Mittel zu nutzen ist nichts neues. Neu ist, das verstärkte Nutzen von Kollaborationen. Damit kann die eigene Zielgruppe, um die des Kollaborationspartners erweitert werden.

  3. Neid – Kreiere etwas, das jeder möchte, aber nur wenige bekommen können. Zum Beispiel mit Drops und Kollaborationen.

  4. Stolz – Ein Insider zu sein, macht viele Menschen stolz. Marken können ein großes Engagement auslösen, indem sie die User mit Inhalten die stolz machen, anlocken.

  5. Geiz – Nach wie vor gilt, Rabatte sind ein guter Weg, um die Zielgruppe zu triggern.

  6. Gewohnheit – Menschen sind Gewohnheitstiere. Die klassischen Vertriebskanäle, wie Post oder auch lokale Geschäfte, nehmen wieder deutlich an Relevanz zu.

  7. Maßlosigkeit – Der Channel der am meisten für Maßlosigkeit im Marketing steht, ist Instagram. Mit endlos vielen Stories und viel Leidenschaft für das eigene Produkt, kann eine größere Reichweite geschaffen werden.

Wir haben uns in vielen unserer Annahmen bestätigt gefühlt und den ein oder anderen Impuls für uns und unsere Kunden mitgenommen.

Das Video zum Vortrag von Philip Westermeyer findet ihr hier:

## Künstliche Intelligenz – Fluch und Segen?

Historiker und Bestseller Autor Yuval Noah Harari zeigt in seinem Vortrag „Artificial Intelligence: Possibilities, Consequences and Scenarios“ die Vor-und Nachteile der Macht von Algorithmen auf. „Algorithmen werden uns besser kennen, als wir uns selbst“ ist sein Statement und dazu hat er folgende Formel aufgestellt:

bcd = ahh

(Biological Knowledge)* (Computing Power)*(Data) = Ability to hack humans

Algorithmen könnten unsere Entscheidungen und unser Verhalten vorhersagen und auch darauf eingehen. Ein einfaches Beispiel: Wir kommen nach einem anstrengenden Arbeitstag erschöpft nach Hause und das Smarthome erkennt unsere Stimmung und geht auf diese ein. Es dimmt das Licht, spielt entspannende oder aufmunternde Musik und bietet uns ein kaltes Getränk aus dem Kühlschrank an. Diese Technologie bringt noch viele weitere Vorteile, wie zum Beispiel die Früherkennung von Krankheiten.

Es gibt leider auch Schattenseiten: Die Technologie könnte auch dazu missbraucht werden, um etwa persönliche Ängste zu identifizieren und diese zu nutzen, um gezielte Fake-News und Propaganda zu verbreiten.

Für die Zukunft des Marketings bedeutet das, nicht mehr die Menschen zu beeinflussen, sondern die Algorithmen zu steuern, die die Menschen beeinflussen.

Und was macht Google so?

Ein aktuell allgegenwärtiges Thema der Branche ist „Privacy“. Aber wie passt datengetriebenes Marketing mit einer „privacy-first“-Welt zusammen? Dazu hat Philipp Justus, VP Central Europe von Google, uns einen Einblick über die Pläne des Internet-Riesen in seinem Vortrag gegeben. Laut Justus steht die Privatsphäre der User bei Google an erster Stelle und verdeutlicht in dem Zuge, dass Google keine persönlichen Daten an irgendwen verkauft. Dem Nutzer sind Transparenz und Kontrolle über seine Daten sehr wichtig. Dafür wurde extra in München der Google-Account entwickelt. In diesem Account kann der Nutzer sehen, welche Daten Google von einem besitzt, es können Einstellungen bezüglich der eigenen Interessen gemacht werden und er kann auch bestimmen wie mit diesen Daten, zum Beispiel in Bezug auf Werbung, umgegangen werden soll.

Ende letzter Woche hat Google angekündigt, dass vom Nutzer bestimmt werden kann, ob und in welchem Turnus die eigenen Daten automatisiert gelöscht werden. Außerdem möchte Google sicherstellen, dass dieser Account für jeden Nutzer einfach zu finden ist und integriert ihn deshalb in all seine Produkte. Launch dafür ist Ende Mai 2019. Für die eigenen Plattformen, wie zum Beispiel YouTube, hat Google über 30 neue Richtlinien definiert, die dafür sorgen sollen, dass Werbung und Inhalte passend für die Marken, sicher für den User und für alle vertrauenswürdig ist. Aber wie passt das mit personalisierter Werbung zusammen? In einem Zeitalter in dem Data-Driven-Marketing überall als die Vermarktungsstrategie zählt? Laut Justus geht es nicht darum immer mehr, sondern die relevanten Daten zu sammeln und entsprechend zu nutzen. Google unterstützt dabei mit den eigenen First-Party-Data und Machine-Learning, unter Berücksichtigung der Privatsphäre der Nutzer und anonymisierter Daten, die „perfekte Ad Kampagne“ zu erstellen.

Einige empfinden dies sicherlich als unglaubwürdig oder absurd bei einem Unternehmen wie Google, das vor allem dafür bekannt ist, eine Unmenge an Nutzerdaten zu sammeln. Aber auch ein Marktführer muss sich den aktuellen Nutzerbedürfnissen und Anforderungen anpassen, von diesen lernen und entsprechend wachsen. Die Online-Privatsphäre ist vor allem in Deutschland ein großes Thema und scheint so auch bei Google eine logische Konsequenz zu sein.

Das war es von uns, wir verabschieden uns von den #OMR19 und sagen Moin Moin, bis 2020!

Die Autorinnen

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Johanna Stöpler
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Birte Teichert
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