Ein Beitrag von Philip Krug.

Reißerische Überschrift, geb’ ich zu. Aber habt etwas Geduld mit mir. IPaaS steht für Integration Platform as a Service und darunter versteht man cloud-basierte Software, die es ermöglicht, viele verschiedene Anwendungen und Daten API-basiert über eine zentrale Plattform zu verbinden und in individuellen Workflows zu integrieren. Meine Kollegen Rolf und Christian haben dazu bereits einen schönen Artikel veröffentlicht, der sich näher mit der Technologie befasst. Ich möchte mich heute darauf fokussieren, wie Unternehmen sie vor den Karren spannen können.

Software-Gestrüpp lädt zum Stolpern ein

Bisher ist es doch so: Mit mehr Software steigt nicht nur die potenzielle Produktivität eines Unternehmens, sondern auch die Fehleranfälligkeit. Denn besonders wenn die verschiedenen Software-Systeme ineinandergreifen, können Fehler in Komponente A auch für Fehler in Komponente B oder C sorgen. Doch das Übel beginnt mitunter schon vorher: Allein das Herstellen von Kompatibilität zwischen allen Komponenten kann bereits Unmengen an Ressourcen verschlingen.

Mehr Power geht zu Lasten der Stabilität. Und jeder mittelständische Unternehmer wird ein stabiles System mit 70 % der möglichen Power einem System mit 110 % – welches aber jeden Moment zusammenbrechen kann – vorziehen.

Die Zahlen sind der Anschaulichkeit halber aus der Luft gegriffen. Worauf es wirklich ankommt: Mit iPaaS-Lösungen kann der Mittelstand standardisiert, stabil und schnell wachsen – ohne einen Wildwuchs an Individuallösungen.

Die Individualisierung war der Skalierbarkeit ihr Tod

Eigenes, technisches Know-how ist zu verlockend, um es nicht auch einzusetzen. Also werden eigene Systeme oft passgenau erweitert. Ungemütlich wird es mit etwas Pech schon beim nächsten Update der Software, spätestens aber wenn so ein Feature auch auf andere Systeme übertragen oder mit ihnen kompatibel gemacht werden soll. Wenn ich etwas entstandardisiere, kann ich es nicht mehr skalieren.

Doch gerade die Skalierbarkeit ist für viele Unternehmen ein wichtiger Faktor. Stichwort Marktplatznutzung: Mit iPaaS können Unternehmen auf einer Vielzahl von Marktplätzen, ob Amazon, Ebay oder Otto, an den Start gehen und ihre Warenbestände auf all diesen externen Plattform obendrein synchron halten.

Dafür müssen wir ein Stück weit Abschied von klassischen Programmierkonzepten nehmen. Natürlich wird auch in Zukunft programmiert und der Bedarf an talentierten Codern und Coderinnen wird nicht abnehmen. Aber wir werden Handarbeit nur noch dort einsetzen, wo es nötig ist. Mühsam Kompatibilität zwischen Systemen herzustellen und diese Lösung nicht mal ohne erneuten Mehraufwand wiederverwenden können, gehört dann der Vergangenheit an. Plattformen, auf denen sich Systeme praktisch beliebig integrieren und kombinieren lassen bringen Individualisierung und Skalierbarkeit endlich unter die Haube. Soviel zur Theorie.

IPaaS als Zugpferd für Next Level Business Intelligence

Die Überschrift ist leider kein lyrischer Erguss auf dem Niveau ihrer Vorgänger, dafür geht es in diesem Absatz endlich ans Eingemachte: Was lässt sich mit dem ganzen Spaß denn jetzt de facto anstellen?

Ein Thema, an dem schon jetzt niemand vorbeikommt, sind Daten. Genauer gesagt: Nutzerdaten. Alle wollen Business-Entscheidungen am liebsten nur noch auf datenbasierten Erkenntnissen über ihre Zielgruppe treffen – verständlicherweise. Dafür braucht man erstmal eine schöne Menge an Daten. Und im Gewebe eines Unternehmens gibt es viele lose Fäden, die einem diese Daten liefern. Jeden einzeln aufzurollen kostet seine liebe Zeit. Schlauer und zeitsparender ist es, alle möglichen Daten von Google Analytics, Server Logfiles, Backend-Daten usw. zu bündeln und standardisiert nutzbar zu machen. Eine iPaaS erlaubt genau dieses Zusammenführen von Datenströmen, ohne dass diese dabei ineinander aufgehen und so träge werden.

Noch ein Beispiel: Ihr Unternehmen plant ein Event. Das Marketing verschickt Einladungen über ihr CRM-System, alle Vertriebler über ihr Outlook und die Event-Agentur über eine gelieferte, veraltete Excel-Datei. Ein Alptraum an Überschneidungen, Doppeleinladungen, dezentralen Antwortregistern etc. entsteht. Eine iPaaS kann alle diese Datenquellen vernetzen, miteinander abgleichen und weiterverarbeiten lassen. Bestehende Prozesse können beibehalten werden. Der Trick liegt darin, die Informationen aus isolierten Prozessen bzw. Systemen mit einer zentralen Stelle (die iPaaS) zu vernetzen und konstant in Echtzeit abzugleichen.

Die möglichen Anwendungsgebiete erstrecken sich natürlich noch weiter. Connected Payment mit intelligenter Datenvernetzung, dynamische Report-Prozesse mit Standardisierung der Datenquelle bei gleichbleibend individuellen Ausspielmöglichkeiten und vieles mehr, über das ich vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt nochmal referieren kann. Für den Moment muss ich zu einem Ende finden.

Reise zum Mittelpunkt der iPaaS

An diesen und weiteren Konzepten arbeiten wir schon heute und realisieren ihr Potenzial in laufenden Kundenprojekten. Wir haben uns also schon tief ins Thema eingegraben und ich glaube doch, wir beginnen gerade erst an der Oberfläche zu kratzen. Je tiefer wir kommen, desto heißer wird die Sache. Ich bin gespannt, wie iPaaS Unternehmen in Zukunft transformieren werden und es macht mir jetzt schon einen Heidenspaß, dies aktiv mitzugestalten.

Als Schlusswort darf ich allen iPaaS-Interessierten noch ans Herz legen, unser Blog genau im Auge zu behalten. Es lohnt sich!

Der Autor

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Philip Krug
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